Bei Bildern mit Senfsoße: Stoßlüften!

Das Zwieback-Tor in der Berlinschen Galerie

Das Zwieback-Tor in der Berlinschen Galerie

Heute wird die Austellung Berlin Transfer der GASAG in der Berlinischen Galerie eröffnet und ich bin eingeladen. Zufällig konnte ich letzte Woche schon einen Blick auf die Aufbauarbeiten werfen.  Zusammen mit meiner Mutter habe ich fünf Menschen in teuren Jeans und mit fast sichtbaren Magister-Titeln dabei beobachtet, wie sie eine Installation aus Zwieback- und Pizzafertigmischungs-Packungen sorgfältig, sehr sorgfältig sogar, zusammensteckten.

Meine pragmatische Mutter war ziemlich ungehalten, der Aufbau ging nach ihrem Geschmack viel zu langsam voran. Sie hätte die „Kartons“ in fünf Minuten zusammengebaut gehabt, knurrte sie. Die Magister gingen vorsichtiger zu Werk.  Sie maßen und hoben und schoben und zögerten und maßen nochmals und diskutierten. Vor allem diskutierten sie. Ich habe Verständnis für diese bedachtsame Vorgehensweise. Wahrscheinlich würde ihnen keiner mehr seine Kunstwerke leihen wollen, wenn erst einmal international herumgetwittert wird, dass in der Berlinischen Galerie beim Aufbau geschlampt wird oder gar Exponate zu Schaden kommen. Stelle ich mir vor. Nach einer halben Stunde, in der sich die Zwiebacktüten immer noch nicht ihrer endgültigen Bestimmung angenähert hatten, verließen wir die Szene. Kaffeezeit!

Begeistert zeige ich meiner Freundin jetzt das gute Stück, das inzwischen zu einem stolzen Tor mit klassizistischem Hintergrund herangewachsen ist. Es gefällt ihr – ich habe ohnehin während des Aufbaus eine emotionale Bindung dazu entwickelt. Den anwesenden Kindern gefällt es auch. Ein spontanes Versteckspiel ergibt sich. Meine Freundin spielt mit. Dann verscheucht sie die Kinder, sie will mit dem Tor und ohne Kinder fotografiert werden.

Die Elektroinstallationen nebenan bleiben rätselhaft. Trotz Stromanschluss tut sich nichts. Nur bei einer Installation brennen Lichter. Sie erlöschen, als ein Mann an ihr vorbeigeht. Er zieht eine Grimasse und sieht sich schuldbewusst um. Wir sehen ihn streng an. Er ist verunsichert und verschwindet schnell im nächsten Raum. So eine Austellung ist lustig.

Lange stehen wir vor dem „Fliegenden Teppich“ und dem „Gas“. Am Ende sind wir zufrieden. Auch darüber, dass wir viele Anregungen für die eigene Wohnraumgestaltung mitnehmen konnten. Keine Selbstverständlichkeit, meint meine Freundin, die viel auf Austellungen geht. Gerade die Berliner Künstler stünden im Ruf äußerst schlampig und wenig anspruchsvoll zu arbeiten. Viele Ausstellungen seien ein Ärgernis und das Geld nicht wert, das man für den Eintritt bezahlt hat, raunt sie mir verschwörerisch zu. Hey, ich habe das nicht gesagt, beschwert euch bei ihr!

Wir wollen gehen und klären beschwingt von einem Glas Prosecco noch ein paar lebensnotwendige Dinge. Wie das richtige Lüften zur Schimmelvermeidung. Ob uns das mit Senfsoße gemalte Bild dazu animiert hat? Meine Freundin ist, wie ich auch, überzeugt vom Konzept des Stoßlüftens. In tiefstem Einverständnis trennen wir uns.

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