Flashmob mit Lucy und Clara

 

Bahnhof Clara-Zetkin-Platz

 

Ich erstarre und lasse die Zeitung sinken. Der Mann in meinem Radio hat gerade einen Flashmob angekündigt. Heute um halb fünf am Herrmannplatz. Das schaffe ich! Wow, mein erster Flashmob… Anlässlich des Frauentags soll der Herrmannplatz in Clara-Zetkin-Platz umgetauft werden. Nach der Erfinderin des Frauentags. Für mich ist der Frauentag so ein DDR-Relikt, an dem mir wenig liegt. Aber am Flashmob liegt mir was.

Ich schwinge mich auf’s Rad und fahre los. Ein Flashmob ist  eine junge, hippe oft sinnfreie Demonstrationsform. Im Ursprung ironisch, jüngst gerne mit politischen Inhalten gefüllt. Mir egal, ich will endlich Flashmobber werden!

Auf dem Weg zum Herrmannplatz kommen mir scharenweise Frauen entgegen. Falsche Richtung, Mädels! Ich schließe mein Rad ab und gehe über die Straße auf den grauen, lauten Herrmannplatz.

Es ist genau halb fünf. Niemand zu sehen außer den üblichen Passanten. Ich grinse. Das musste ja so kommen. Wenn ich schon mal von einem Flashmob erfahre, dann findet der natürlich nicht statt. Egal, ich klettere auf eine Bank und mache ein paar Fotos. Im Sucher entdecke ich am anderen Ende des Platzes ein Grüppchen von Leuten mit Fahnen. Der Flashmob? Ich nähere mich vorsichtig. Frage einen in der Gruppe, ob das hier der Flashmob sei. Ich bin hier richtig. Nur, wo sind die Massen, wo ist der Mob?

Eine Frau fragt mich nach meinem Namen, sie sieht nett aus. Lucy heißt sie. Ich überlege einen Moment. „Aber nicht Redler, oder?“ frage ich. „Doch.“ Sie sieht mich prüfend an, „kennen wir uns aus der WASG?“ will sie wissen. „Bestimmt nicht“, denke ich und sage ihr, dass ich sie aus den Medien kenne. Die Gruppe beschließt, noch ein paar Minuten zu warten. Und ich dachte immer, das Konzept eines Flashmobs sei es blitzschnell aufzutauchen, zu tun, was auch immer man sich vorgenommen hat und ebenso blitzschnell wieder zu verschwinden. Die ideale Veranstaltung für zeitnotleidende Menschen wie mich. Ich sehe auf die Uhr. Ich muss mein Kind abholen! Endlich setzt sich die Gruppe in Bewegung. Das Schild mit dem Namen der U-Bahnstation soll ersetzt werden. Einer der Flashmobber hat eine Leiter dabei. Jetzt heißt es Bahnhof Clara-Zetkin-Platz. Applaus brandet auf.

Die Fahnen der Linksjugend wehen im Wind, die Sonne blitzt durch die Wolken. Eine Frau wirft ihr Megafon an und hält eine lange, lange Rede zum Frauentag. Jetzt muss ich aber wirklich weg. Wow, mein erster Flashmob, denke ich wieder und gehe beschwingt in den Sonnenuntergang.

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