Die hohe Kunst der Freundschaft

„Ich will, dass mich alle mögen!“, antwortet der 7-jährige Sohn eines Freundes überraschend auf die Frage, was er sich denn am meisten wünsche. Wir waren baff, der Freund sogar recht betroffen. „Wer mag dich denn nicht?“, fragen wir den Kleinen. Der erklärt traurig, dass ihn in seiner Klasse eigentlich keiner mag und keiner mit ihm spielen wolle. „Aber was ist denn mit J. und B.?“, hakt sein Vater nach. „Ja, die schon, aber die anderen nicht.“, beharrt der Sohn. Zwei Freunde scheinen ihm nicht zu reichen.

Ich fange an zu grübeln. In meiner Grundschulzeit hatte ich eine gute Freundin: Adi. Und dann gab es noch Teilzeitallianzen mit Sabine, Susanne, manchmal auch mit der dicken Diana oder der allgemein unbeliebten Petra. Verliebt war ich in Stefan und Toni – aber das steht ja hier nicht zur Debatte.

Das mit Adi war so eine Sache. Ihre Mutter war alleinerziehend und das war damals schon ziemlich ungewöhnlich. Selbst in der Großstadt. Sie war auch noch berufstätig und etwas gestresst. Ich weiß nicht mehr warum, aber aus irgendwelchen Gründen hat Adis Mutter ihr den Umgang mit mir verboten. Damit war ich dann meine einzige Freundin los. Das war ganz schlecht. Ich habe Adi dann erpresst weiter mit mir befreundet zu sein. Irgendwie hat das geklappt, einsam war ich nicht. Ich war bei allen wichtigen Geburtstagspartys eingeladen und in der Klasse gab es auch ein ständiges Hin und Her, wer mit wem gerade befreundet war oder nicht.

Der Sohn meines Freundes kuckt tapfer drein ob seiner gefühlten Freundlosigkeit. Er weiß auch nicht, warum die anderen mit ihm nicht spielen wollen. Wir versuchen ihm zu erklären, dass keiner von allen gemocht wird. „Doch B. schon!“, behauptet er entschieden. B. sei ja auch der Klassenclown versucht sein Vater zu argumentieren. Nein, das sei der andere B. erwidert der Sohn. Wir geben uns geschlagen. Und ich denke an die Zeit am Gymnasium, wo ich tatsächlich harte Zeiten erlebt habe. Komischerweise aber nicht wirklich ohne Freunde, mehr ohne dazu zu gehören. Aber von den Nicht-Zugehörigen gab es viele. Die sind mir damals nur nicht aufgefallen. Nur dass Petra, Franziska und Manu mich nicht akzeptiert haben, das ist mir aufgefallen. Und alles nur, weil ich den blöden Zauberwürfel nicht hatte. Und keine Halstücher mit Glitzerfäden. Dafür hatte ich Pickel und eine grauenerregende Frisur. Danke, Mama!

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