Gentrifizierung stinkt!

Es ist Freitag, Oktober und unsere Gastherme ist kaputt. Folglich bleibt die Heizung kalt. Bei Außenhöchsttemperaturen von 12 Grad wird es langsam ungemütlich.

Dass die Therme kaputt ist, weiß auch unsere Hausverwaltung. Wir haben es ihr gleich mitgeteilt, als sie unser Haus übernommen hat. Nennen wir sie ganz unverbindlich M. Mende Grundbesitzverwaltungs GmbH. Nachdem sie sich den Kaputtheitsgrad unserer recht alten Therme nochmals von einer Heizungsfirma bestätigen lassen hat, machte sie uns das freundliche Angebot, uns eine nagelneue Therme einzubauen.

Ich fing an mich zu freuen. Derartige Angebote haben die  Hausverwaltungen der vorhergehenden Heuschrecken nie gemacht. Sollte das lauwarme Duschwasser im Winter endlich heiß werden? Sollte ich gar baden können, ohne dabei zu frieren? Würde die Therme in Zukunft effizient heizen, so dass unsere Abschlagszahlung nicht mehr der eines Mehrfamilienhauses entspräche? Wir würden glücklich um unsere Heizung herumtanzen und den ganzen Tag sing… „gegen 20 EUR mehr Miete pro Monat!“ fügte die Hausverwalterin noch schnell hinzu.

Bitte?!? Gerade laufen die Modernisierungsarbeiten an der Fassade, deren Kosten größtenteils auf die Mieter umgelegt werden – obwohl wir heute schon wissen, dass uns diese „Energieeffizienz-Maßnahmen“ keinen Cent an Heizkosten sparen werden. Dafür sind sie nämlich dann doch nicht effizient genug. Wir dürfen aber mit einer Mieterhöhung von 90 EUR monatlich rechnen. Ich lehne das Angebot also dankend ab und verweise auf die Pflicht des Eigentümers zur Instandhaltung. Soll er doch die alte Therme reparieren lassen, bis er schwarz wird.

Das war vor ein oder zwei Monaten. Jetzt ist es wirklich kalt da draußen. Da der Putz um unsere Fenster abgeschlagen ist, entweicht die Wohnungswärme noch schneller. Zusätzlich ging bei den Bauarbeiten auch noch ein Fenster zu Bruch. Macht 17 Grad Innentemperatur. Noch!

Ein freundlicher Mensch hat mir einen Trick verraten. So kann ich die kaputte Thermenelektrik überlisten und viertelstundenweise heizen. „Ist aber nicht erlaubt und gefährlich!“, warnt er mich noch. Und ich müsse die Therme danach immer wieder abkühlen lassen. Ich stelle mir also brav die Eieruhr und lüfte danach gleich wieder. Die Heizung stinkt! Ob das CO2 ist? Und ich mich hier langsam vergifte? Der Schornsteinfeger hatte neulich einen um das zwanzigfache überschrittenen Höchstwert diagnostiziert.

Der Hausverwaltung berichte ich von der mörderischen Kälte und dem kaputten Fenster. Um das Fenster müsse sich der Glaser der Baufirma kümmern, erklärt sie mir. Nach mehrfacher Nachfrage erfahre ich, dass es eher der Glaser des Subunternehmers des Generalübernehmers der Bauleitung ist – und der ist heute in Stolpe und kann deshalb erst am Montag kommen. Aha!

Und für die Heizung gäbe es noch kein Angebot. Dies müsse dann sowieso erst vom Eigentümer genehmigt werden. Und da sei heute keiner mehr erreichbar. Also vor Montag passiert hier nichts. Und bis dann die Teile bestellt sind und ein Termin gefunden wurde….

Weiß übrigens jemand wie ein Bohrhammer klingt? Erinnert stark an Presslufthammer. Oder an Zahnarzt.

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Eine Antwort zu “Gentrifizierung stinkt!

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