Müßiggang ist aller Zaster Anfang!

Neulich an der Blücher Ecke Zossenerstraße. Die Ampel war rot, ich musste anhalten. Da es an dieser Kreuzung gern etwas länger dauert, hatte ich Muße die Umgebung zu betrachten. Ein paar Meter neben mir standen zwei jüngere Frauen, die angestrengt einen Stadtplan studierten. Unglaublich übrigens, wie viele Touristen man neuerdings auch an den uninteressantesten Ecken Kreuzbergs antrifft. Schwarze Haare, schicke Kleidung – vielleicht Spanierinnen oder Portugiesinnen, vermutete ich. Die eine (Dickere, nur wegen der Unterscheidung) schoss schnell ein Foto der Hl. Kreuz-Kirche. Tagesordnungspunkt abgehakt, dachte ich. Die Dünnere kramte inzwischen in ihrer Handtasche – und zog plötzlich eine Pistole heraus. Sie sprang mit der Pistole im Anschlag auf die Kreuzung und blockierte beide Spuren. Ich staunte. Die Autofahrer auch. Bremsen quietschten. Die Dickere setzte sich in Bewegung und fing an die Autofahrer abzukassieren. Ein Hunni pro Auto sollte schon herausspringen. Wer nicht bezahlen wollte, bekam eine Kugel in den Reifen. Die Dünnere wirkte sehr entschlossen. Ich fror. Die Fahrer zahlten.

Plötzlich hörte ich lautes Knattern in der Luft. Rotorblätter. Eine Hubschrauberstaffel näherte sich. Mir flogen die Haare um den Kopf. Über dem Blücherplatz sprangen uniformierte Falschirmspringer ab. Scharfschützen in Tarnanzügen warfen sich hinter Autos und richteten ihre Zielfernrohre auf die beiden Straßenräuberinnen. Ich duckte mich – leider hinter nichts. Da warf die Dünnere ihre Arme in die Luft, schrie „Free Mandela!“ und ließ verächtlich ihre Waffe fallen. Die Autofahrer hupten zustimmend.

Mandela? Das verwirrte mich jetzt schon etwas. Wurde womöglich ein Sohn oder Enkel Nelson Mandelas zu unrecht verhaftet? Habe ich irgendwas nicht mitgekriegt? Während ich mich noch wunderte, stand die Dickere immer noch mit einem dicken Bündel Scheine auf der Kreuzung, diverse Gewehrmündungen auf sich gerichtet. In dem Moment passierte etwas Unglaubliches!

Ein sanftes Rauschen beruhigte die von Rotorblättern aufgewühlte Luft. Ein zartrosa Pegasus senkte sich von Süden auf die Zossener Straße hinab und galoppierte anmutig auf uns zu. Auf seinem Rücken: Prinzessin Lillifee. Sie lächelte bezaubernd und reckte graziös ihre Hand. Mit einem entschlossenem Ruck entriss sie der Dicken im Vorbeireiten das Bündel Scheine, warf uns allen eine liebreizende Kusshand zu und entschwebte wieder auf ihrem geflügelten Ross. Sekunden später war alles wie im Traum vorbei. Nur das Geld war weg. Ich strich mir die Haare aus dem Gesicht.

Mein Sohn lächelte mitleidig und meinte: „Also das mit Prinzessin Lillifee war ja wohl erfunden!“. Öhm…

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