Mit indirekter Rede für Ruhe UND Ordnung sorgen

Vor dem Raubzug. Mit freundlicher Genehmigung von AnaMess.

Neulich beim Einkaufsbummel in Neukölln. Das Kind ist mal wieder aus allen Klamotten heraus gewachsen. Zuerst Forum Neukölln. Ein Traum für den Zen-Shopper. Während ich konzentriert das Angebot scanne, höre ich eine Unterhaltung aus dem Lagerraum mit. Frage: „Legst du mal die neue Ware in’s Regal?“ Gegenfrage: „Zum Klauen?“ Eine Verkäuferin erscheint. Ich frage neugierig: „Was gibt’s zu klauen?“ Sie kuckt mich erschrocken an und erklärt mir, dass alles geklaut würde, was nicht niet- und nagelfest sei. Oft würde sie an der Kasse in ein Gespräch verwickelt und währenddessen werden die Regale ausgeräumt. „So schnell kannste jar nich kiek’n!“, sagt sie desillusioniert. Ich weiß auch keine Lösung. Ein paar Minuten später habe ich mich für Socken entschieden und gehe zur Kasse: „Ich würde die gern ausnahmsweise bezahlen.“, sage ich und lächle freundlich. Die Verkäuferin kassiert nur stumm.

Ich ziehe nachdenklich weiter zu H&M. Versunken wühle ich mich durch das Angebot. Prüfe hier, verwerfe da. Lasse mich – ganz eins mit mir und der schönen Warenwelt – ablenken, kehre zurück zu den Kinderpullis, kaufe dann doch auch eine reduzierte Sweathose aus Biobaumwolle (für den Schulsport!) und nähere mich schließlich der Kasse im Erdgeschoss. Noch ein kurzer Blick auf die Blusen… Während ich über das Für und Wieder einer weißen Bluse (diesmal für mich) grüble, darf ich wieder eine Unterhaltung zwischen zwei Verkäuferinnen mit anhören. Erste Verkäuferin (aufgeregt): „Der ist einfach mit einem Stapel Klamotten raus gerannt.“ Zweite Verkäuferin (auch aufgeregt): „Warum bist du denn nicht hinterher?“ Erste Verkäuferin (verzweifelt): „Ich bin doch nur ’ne Frau…“ Ich habe keine Lust mehr auf Blusen und gehe zur Kasse. Die Kassiererin beäugt misstrauisch einen Mann, der hinter mir durch die Klamottenständer streift. „Ich folge ihrem Blick und frage sie, ob hier viel geklaut würde. Sie erklärt mir, dass das an der Tagesordnung sein. Ich wende ein, dass es doch einen Wachmann gäbe. Sie meint nur verächtlich, dass der komischerweise immer weg sei, wenn geklaut würde und sie außerdem  den Eindruck habe, dass er die Diebe kenne.

Auf dem Heimweg denke ich darüber nach, ob man es einer  H&M-Verkäuferin wohl zumuten könne, einen Dieb zu stellen, der die Arme mit einem Stapel Klamotten voll hat. Um eine Waffe zu zücken, müsste er erst die Klamotten wegwerfen. Damit hätte man zumindest die Klamotten wieder – und vielleicht den Dieb eingeschüchtert. Das Restrisiko ist aber wohl nicht zumutbar bei der vermutlich eher geringen Bezahlung und dem öden Job. Ich verlasse Neukölln und kehre zurück nach Kreuzberg, wo ja bekanntlich alles besser ist!

Zufrieden und sicher vor dem heimischen Rechner sitzend, lese ich auf der Facebook-Seite einer Freundin, dass sie heute Zeugin eines Überfalls auf Getränke Hoffmann im Graefekiez war. Mit Messer und Geschrei. Zum Glück sei niemand verletzt worden, aber ein Schock sei es schon, schreibt sie. Und die Täter waren vielleicht 15 Jahre alt. Der türkische Lebensmittelhändler von nebenan sei noch hinterher gelaufen, habe sie aber nicht erwischt.

Das will ich überhaupt nicht hören! Nicht hier, nicht vor meiner Haustür. Ich will mich nicht verunsichern lassen. Ich will auch nachts allein mit dem Rad am Ufer langfahren können (Was ich aber meist doch nicht mache. Offiziell wegen der schlechten Beleuchtung und den Schlaglöchern.). Im Sommer ist das aber kein Problem. Da ist das ganze Kanal-Ufer eine einzige Partyzone, keine Chance für Raubüberfälle. Hey, Anwohner der Admiralsbrücke, da  muss man schon mal Prioritäten setzen: entweder Ruhe oder Sicherheit. Beides geht scheinbar nicht.

So und wer jetzt nachweisliche Fehler in der indirekten Rede findet, der wird lobend erwähnt!

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