Winter in Berlin – ein Hauch von Neapel

Müllberge im Schnee - schöner als in Neapel

„Berlin hat seine Übernachtungen 2010 verdoppelt.“ „Über 20 Millionen Touristen haben die Hauptstadt besucht.“ Beinahe hätte ich Terroristen geschrieben. Muss an der aktuellen Bedrohung liegen… „Berlin ist Europas Metropole Nr. 1“, jubelt mir eine weitere Zeitungsschlagzeile zu.

Und ich? Ich stehe mürrisch an einem Montag Vormittag an einer Bushaltestelle der „Metrolinie 41“ und überlege mir, dass die Touristen bestimmt nicht wegen der gut geölten Infrastruktur nach Berlin kommen. Diese Metrolinien haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) vor zwei oder drei Jahren eingeführt. Sie sollten die Hauptschlagadern der Stadt zuverlässig und in hoher Taktfrequenz versorgen. Ich stehe jetzt hier seit 30 Minuten und müsste schon drei Busse an dieser Haltestelle halten gesehen haben. Aber Fehlanzeige! Als dann endlich ein Bus kommt, frage ich den Busfahrer bemüht freundlich, wo denn die ganzen Busse vor ihm abgeblieben seien. Er kuckt mich schuldbewusst an und meint, dass ich ihm das sowieso nicht glauben würde. Ich bitte ihn, es mir trotzdem zu verraten. Er erklärt mir, dass es schlicht keine Busse mehr gebe in Berlin. Ich schaue ihn fragend an. Und dann dämmert es mir. Na klar, die sind ja alle abgebrannt! Zwei Kollegen hätten heute früh mit ihm um einen Bus angestanden, nur er habe einen bekommen, fügt er noch hinzu. Ich schüttle den Kopf und suche mir resigniert einen Stehplatz im knallvollen Bus.

Die U-Bahn am Herrmannplatz kommt zum Glück sofort. Aber als ich in Rudow sehe, dass der nächste Bus zum Flughafen erst in 17 Minuten kommt, ich aber schon in 10 Minuten am Gate sein muss, springe ich in ein Taxi. Zum Glück kann heute wieder geflogen werden. Gestern noch fielen die meisten Flüge aus. Das Enteisungsmittel war alle. Unfassbar.

Da bricht völlig überraschend im Dezember der Winter über Berlin herein und die komplette Infrastruktur ist restlos überfordert. Die S-Bahnen fallen aus, weil die Weichen eingeschneit sind, die Busse sind aufgrunde eines noch nicht näher erforschten technischen Defekts entweder abgebrannt oder zur vorbeugenden Kontrolle in der Werkstatt, die Flughäfen kommen mit dem Schneeräumen nicht hinterher und versprühen die letzten Tropfen Enteisungsmittel – und mit Fahrrad oder Auto kommt man sowieso nicht voran bei dem Schnee. Die Straßen und Wege sind nicht geräumt, obwohl wir doch den ganzen Sommer über darüber diskutiert haben, was letzten Winter schief gelaufen ist und diesen Winter besser werden muss. Auch unser Hinterhof ist tief verschneit, so dass die BSR die Mülltonnen nicht mehr abholen will.

Ich betrachte nachdenklich das Szenario in unserem Hinterhof. Woran erinnert mich das bloß? Müllberge… Müllberge…. Ah, natürlich: Neapel! Okay, den Müll haben Sie nicht im Griff, aber der öffentliche Nahverkehr und auch der Regionalverkehr funktionieren zuverlässig wie ein schweizer Uhrwerk.

Das einzige, was hier noch planmäßig rollt, ist der Castor-Transport nach Lubmin.

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Eine Antwort zu “Winter in Berlin – ein Hauch von Neapel

  1. Wenn das nur im Winter so wäre!
    Auf den Bus M41 kann man zu jeder Jahreszeit gerne mal 25 Minuten warten – obwohl er doch alle 10 Minuten fährt. Und die Busverbindung von Rudow nach SXF ist ebenfalls ganzjährig katastrophal.

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