Dienstleistungswelle überrollt Deutschland

So sehen Dienstleistungstempel aus!

… ganz so weit ist es noch nicht, muss ich gleich mal wieder die Luft herausnehmen. Aber in Berlin gibt es sie durchaus, diese kleinen netten Dienstleistungswellen, die einem an einem kühlen Tag angenehm warm um die Füße schwappen. Als Selbstverständlichkeit betrachte ich inzwischen den immer gut gelaunten Mann vom Zeitungsladen aka Copyshop aka Spätkauf aka Hermes-Annahmestelle. Als ich das erste Mal mit einem Paket angeschlappt kam, überreichte er mir ein dickes Bündel Hermes-Klebeetiketten, damit ich nicht mehr selbst basteln müsse. Reizend, oder? Ist das Paket nicht richtig zugeklebt, klebt er auch mal auf eigene Paketbandrechnung nach. Toll, nicht? Und immer gibt’s mindestens einen Witz gratis dazu. Beneidet mich ruhig!

Ihr kennt aber noch nicht meinen Edeka aka Post Point. Die beste Erfindung seit dem Sprühöl für Fahrradketten! Keine Warteschlange, keine unfreundlichen Postangestellten, die einem nach dem Briefmarkenmäppchen noch eine Lebensversicherung andrehen wollen, sondern einfach ein so gut wie immer leerer Laden, in dem sich die Inhaber-Verkäufer sofort diensteifrig auf meine Päckchen und Briefe mit absonderlichen Formaten stürzen. Eine Minute und alles ist erledigt. Postkunden, davon träumt ihr doch!

Okay, das und die überaus freundlichen Mitarbeiter im Bioladen meines Vertrauens nehmen wir mal als Gegeben. Wirklich neu dazu gekommen ist aber eine Dienstleistungsoffensive im Einzelhandel. Neulich bei Wöhrl am Potsdamer Platz, kurz vor Ladenschließung. Eigentlich sollten alle Verkäuferinnen müde und genervt die letzten von Kunden durchwühlten Kleiderberge sortieren. Nicht so dort. Kleiderberge sortierend suchte mir die Verkäuferin immer wieder unaufgefordert neue Jeans heraus, ja schleppte sie aus allen Winkeln des Geschäfts heran und wurde auch nicht müde zu versichern, dass das alles nicht an meiner komischen Figur, sondern an den komischen Jeansschnitten läge. Das ist Dienstleistung in Reinkultur, liebe Leser! Ich ging dann doch ohne etwas zu kaufen und wurde Tage später bei H&M fündig. Als ich in der kurz-vor-Landeschluss-langen Kassenschlange stand, machte eine neue Kasse auf und die Kassiererin forderte mich freundlich lächelnd auf zu ihr zu kommen. H&M, auch du?

Zurück zu Wöhrl. Nach Wöhrl ging’s ins Kino. Aufs freundlichste begrüßte uns ein sympathischer Kinokartenverkäufer im Cinemaxx und suchte für unsere rabattierten Gutscheine geduldig die mittigsten und überhaupt besten Plätze im Kino heraus. Dazu schenkte er uns ein schmelzendes Lächeln. Dahingeschmolzen dachten wir kurz über die Vor- und Nachteile jüngerer Männer nach, schwebten gen Kinosaal, fühlten uns gut behandelt und Wert geschätzt – als Kunden, als Menschen mit verletzlicher Seele…. als Teil einer universellen rosa Wolke!

Advertisements

Eine Antwort zu “Dienstleistungswelle überrollt Deutschland

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s