Bei Parasitenbefall besser das Fahrrad benutzen

… und nicht die Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Arzt vergessen!

Ich wusch mir gerade angesichts eines familienfreien Samstagmittags die Pflegemaske aus dem Gesicht, da läutete das Telefon. In der Leitung der Mann an meiner Seite, den ich mit unserem Sohn beim Friseur wähnte und der mir kleinlaut ankündigte, dass sie sich schon wieder auf dem Rückweg befänden. „Läuse!“, erläuterte er mit zitternder Stimme. „Beide?“, wollte ich wissen. Da der Mann an meiner Seite aber nach der vernichtenden Diagnose für unseren Sohn sofort den Rückzug angetreten hatte, war ihm persönlich eine solche Schmach erspart geblieben. „Bring Läusemittel aus der Apotheke mit.“, beauftragte ich ihn noch, beendete das Gespräch und schnappte mir einen Zettel für die Checkliste Läusebekämpfung. „Alles bei 60 Grad waschen“, „Stofftiere in Plastiksäcken verpackt in Quarantäne schicken“ und „Eltern aus Klasse und Schülerladen benachrichtigen“, stand da. Ich seufzte schwer und versuchte herauszufinden, woher die Läuse denn wohl zu uns gekommen waren. Der Sohn hatte da gleich eine Antwort: „von dir!“, sprach er und sah mich vorwursvoll an: „Du kratzt dich schon länger als ich.“ Ich war sprachlos. Zum Glück fiel mir dann noch ein, dass ich vor zwei Wochen erst beim Friseur war und da nichts festgestellt wurde. Ha! Da wusste er keine Antwort, der kleine Klug…*räusper*.

Der Mann an meiner Seite präsentierte stolz die 75 ml Flasche Goldgeist, die er als Waffe im Krieg gegen die Besatzer einzusetzen gedachte. Nach einer kurzen Irritation sah er dann ein, dass das für die Familie wohl nicht ausreichen würde und fuhr wieder los, um mehr Waffen zu besorgen. Inzwischen stapelten sich schon die Müllsäcke mit traurig guckenden Kuscheltieren, die aus ihrem warmen Kinderbettnest vertrieben worden waren und auch erst in zwei Wochen wieder dorthin zurückkehren würden. Auch die Waschmaschine hatte ihren zweitägigen Dauerbetrieb aufgenommen. Nici, das kleine Stinktier und derzeitiger Kuschelfavorit meines Sohnes kam für zwei Tage ins Tiefkühlfach. Mehr hat da leider nicht Platz. Auch der Sohn guckte jetzt traurig. Er würde gar nicht schlafen können ohne seine Kuscheltiere, merkte er mit gebrochener Stimme an. Ich starrte nur stumm vor mich hin und bereitet mich innerlich auf längere Verhandlungen gegen 20 Uhr heute Abend vor.

Läuse hin oder her, so seidig glänzende Haare hatte die Familie schon lange nicht mehr. Wir erwägen jetzt ernsthaft auch ohne konkrete Verdachtsmomente öfters mal Goldgeist anzuwenden. Das Kratzen wurde danach auch deutlich weniger. Die Wohnung machte auch einen ausgesprochen aufgeräumten und sauberen Eindruck. Allein als wir dann vor unserem Auto standen und auf die Sitzpolster schauten, wurde uns klar, dass wir noch nicht alle potenziellen Läuseverstecke ausgeräuchert hatten. Wären wir doch konsequenter Fahrrad gefahren in den letzten Wochen…

Und die sozialen Aspekte sprechen auch eher gegen Parasitenbefall. Das lästige Zu-Kreuze-Kriechen bei brandneuen Klassenkameradeneltern, aus fadenscheinigen Gründen abgesagte Verabredungen, ja sogar die Stornierung eines gemeinsamen Flohmarktverkaufsstands… man fühlt sich ja, als hätte man was Ansteckendes!

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