Am Arsch der schönen weiten Welt

Man sieht die schönsten Ecken der Welt vom Arsch eines Wintersportlers...

Man sieht die schönsten Ecken der Welt vom Arsch eines Wintersportlers...

Eigentlich gehöre ich C. Aber die ist großzügig und verleiht mich schon mal. Vor allem, weil sie mich gerade eh nicht gebrauchen kann. Bänderdehnung und so weiter. Sie hinkt gerade mit einer Schiene am Bein herum. Deshalb bin ich mit S. nach Bayern gefahren. Davor war ich schon mit ihr auf der Schwäbischen Alb zum Nachtrodeln (mit „h“ nicht mit „k“!!!) bei minus 15 Grad. Da brauchte S. sowas wie mich und noch ein paar Kollegen wie lange Unterhose, Wollstrumpfhose, Skisocken, Angoraunterhemd, Fleecejacke, Wolltroyer, Daunenweste und Skijacke. Sie konnte kaum noch laufen, aber gefroren hat sie nicht- vor allem dank mir, einer schicken schwarzen Skihose. Das mit dem Rodeln hat echt Spaß gemacht, nur das mit dem Schlitten den Berg wieder hochklettern war nur zweimal lustig, dann blieben wir lieber unten.

In Bayern musste ich erstmal in den Schrank. Es gab jede Menge andere Dinge zu erledigen, bei denen meine Kollegen, die neue dunkelblaue Jeans und der schöne dunkelblaue Wollpulli sowie die hochhackigen Schuhe oder die schwarze Strickjacke mit dem weißen Oberteil drunter zum Einsatz kamen. Davon verstehe ich nichts. Aber sie rannten den ganzen Tag hin und her, waren nett zu einer größeren Menschenmenge und achteten darauf, dass es allen gut ging und viel Organisatorisches wie geplant ablief, haben sie erzählt. Das weiße Oberteil hielt sich dabei in sicheren Abstand zu allem, was Flecken hinterlassen kann, während der blaue Wollpulli gelegentlich mit den Klettverschlüssen der grünen Tasche, die immer und überall dabei sein muss, aneinandergeriet. Ich hing inzwischen entspannt auf einem Kleiderbügel in einem Schrank eines sehr hübschen upgewulfften Hotelzimmers inklusive Schreibtisch mit Berg- und Seepanoramablick. Gottseidank haben die vom Hotel das Doppelbett nicht auseinandergeschoben, da kann S. nämlich nicht richtig schlafen, weil sie immer denkt, sie fällt gleich raus.

Dann kam mein Einsatz. Ich wurde aus dem Schrank gezerrt, auf einen Haufen geworfen mit ein paar anderen Kleidungsstücken, die ich schon aus dem Schrank kannte und schon ging es los. S. zog uns in Windeseile an und rannte aus dem Zimmer. Wir stiegen in ein Auto und fuhren um den See. Ein kleiner Zwischenstopp noch wegen des Herrn mit dem Alkoholproblem und dann waren wir da. Musik empfing uns, Berge von Schnee und ein paar fleißige Arbeitsbienen. Die Menschenmenge, von der meine Kollegen schon erzählt hatten, teilte sich in Gruppen auf und ging zu ihren „Stationen“. Ich auch. Ich ging mit S. und der neuen Skijacke zu einer Station, bei der mit einem Quad ein Geschicklichkeitsparcours zu bewältigen war. Überwältigend. Keine Ahnung, aber ich bin ja auch für’n Arsch (zuständig, warmhalten). Die dicken Skihandschuhe mussten das mit den Griffen und dem Gas und den Bremsen regeln, ich musste nur die Verbindung halten zwischen Sitz und… Arsch. Bei mir kein Problem, die Handschuhe haben wohl ein bisschen gepfuscht und das Quad von der Rampe rutschen lassen. Naja… Anfänger.

Den Handschuhen sind noch mehr peinliche Dinge passiert. An der Skidoo-Station haben sie so heftig Gas gegeben, dass der Typ, der sich gerade noch hinter mir eng an mich presste, hinterrücks herunterfiel und wie ein unglücklicher Käfer auf dem Rücken lag. Er hätte die Skijacke wohl besser nicht loslassen sollen. Er war ganz schön sauer, die Handschuhe haben da lieber wieder Gas gegeben und sind weggefahren, leider vor Schreck gleich am ersten Ring vorbei, den sie eigentlich aufsammeln sollten. Die restlichen neun haben sie aber gekriegt. Und der dünne schwarze Pulli hat erzählt, dass er am Abend neben dem Käfer-Typen in der Skihütte gesessen hat und mit ihm schunkelte und da war die Welt dann wohl wieder in Ordnung. Der Jeans-Minirock konnte die Geschichte bestätigen. Und ein dritter Platz war auch noch drin.

Der wichtige Mann, der S. am Tag noch nach Russland versetzen wollte (wegen der Shapka, gern auch „nasse Katze“ genannt, die uns vor Kälte und Schneefall schützte), wollte dann am Abend doch lieber, dass sie genau hier in Bayern Rocksongs zur bayerischen Lederhosenband singt. Sie hat ihm dann ein Liederbuch zukommen lassen, damit er sich selbst verwirklichen könne. Das haben ihm dann aber ein paar besonders mutige Mitarbeiter aufgeschlagen auf der Seite „Es geht ein Zug nach nirgendwo“ überreicht. Was dann auch wieder erklärt werden musste…

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