Unter den Reichen und Schönen oder wie ich meine Steuergelder gerade nochmal vor denselben rettete

Wowi und Renate

Wowi und Renate

Ich war dabei, beim sagenumwobenen und skandalumwitterten Hoffest von Wowi. Zugegebenermaßen nur als +1 einer offensichtlich einflussreichen Freundin, aber das interessiert ja nach dem Einlass niemanden mehr. Während ich mich draußen noch peinlich berührt an den protestierenden Flughafengegnern vorbeidrückte (Sollte ich mich nicht solidarisieren? Hmm, naja, ich bin ja nicht betroffen und außerdem wollen die bestimmt auch alle billig in den Urlaub fliegen…), waren die drin schnell vergessen. Einem wegen des Lärms beim Beutemachen sich gestört fühlenden  und deshalb motzenden Halbwüchsigen erklärte ich noch schnell die berechtigten Motive der Flughafengegner (Flugrouten studiert, Haus gebaut, Flugrouten verändert, Haus nix mehr wert.) Jetzt aber Schluss mit dem Elend und ab ins Gewühl. Und tatsächlich, es hat sich gelohnt: Hier aß Wowi eine Currywurst mit Renate, dort stand der sympathische Mitarbeiter von Joachim Gauck mt seiner netten Frau, daneben lockte Pfizer mit Molekularküche (Sehr zu empfehlen der schockgefrostete Whisky sour auf Papayabasis, zu knabbern wie ein Keks nur eiliger, weil er sonst schmilzt) und ein Stück weiter lockte Rolf Eden tief dekolletierte Blondinen an.

Rolf Eden

Rolf Eden lockt immer noch…

Die einflussreiche Freundin kannte selbstverständlich alle anderen Menschen von Einfluss und so eröffneten sich auch mir endlich wertvolle Einblicke in diese Welt von Berlins Movern und Shakern, die ich bestenfalls aus der Zeitung kenne (die Tagesschau interessiert sich nicht für den Berlinklüngel und meine Tageszeitung nicht für Rolf Eden). Der neue SPD-Landeschef beschwerte sich wenig ernsthaft über sein nicht ganz freiwilliges Outing, während der Grünen-Landeschef seinen eigenen Rekord im Politphrasen Dreschen und SPD-Bashing brach, als wären wir hier bei einer banalen Pressekonferenz und nicht schon fünf Whisky sour-Kekse weiter.

Aber ich hatte ja eine Mission: Wowis Hoffest macht jedes Jahr Schlagzeilen, wegen des undurchsichtigen und anrüchigen Sponsorings durch machtgierige und Politiker-korrumpierende Unternehmen, die sich dadurch Berlins öffentliche Aufträge unter den Nagel reißen wollen oder so. Alternativ prangern die Medien die Verschwendung von Steuergeldern an durch dieses nutzlose Hoffest für Leute, die eh schon alles haben (Hey, ich habe noch nicht alles!). Letztes Jahr bemühte sich Wowi um einen Kompromiss und ließ (heimlich, die Opposition musste ordentlich auf den Tisch hauen, bis die Sponsorenlisten endlich auf demselben lagen.) landeseigene Unternehmen das Fest sponsern. Alle zufrieden jetzt? Leider nein, BVG und BSR fuhren ein sattes Minus ein und mussten durch Steuergelder bezuschusst werden. Wie man’s macht…

Ich hatte jedenfalls beschlossen die undurchsichtigen, ränkeschmiedenden, anrüchigen Privatsponsoren zu schädigen und mir auf die gleiche Art meine sauer verdienten Steuergelder von den landeseigenen Sponsoren zurückzuholen. Fünf Meter nach dem Eingang hatten wir schon jeder ein Bier in der Hand, zehn Meter später einen Wrap, danach kam der besagte Molekularkoch, der auch noch verflucht leckere Kleinigkeiten aus Fisch zaubern konnte (Mist, was mache ich jetzt mit dem riesigen Wrap?), dazwischen gab es Air Berlin-Jutebeutel, Pad Mäuse von Bayer, Brawürste, Currywürste, Stücke vom edlen Weiderind (Gibt’s hier kein Tofu?), Regenschirme und Duftlampen von der Spielbank Berlin (ist das nicht auch ein landeseigenes Unternehmen? Heissa, doppelt abgegriffen!) ebenso Knirpse von der BSR in schickem Orange (gerade hoch im Kurs, weil es regnete), viele Gläser Sekt von Lutter&Wegner, ausgesprochen leckere Kleinigkeiten von Butter Lindner und KDW, lustige Fotos bei Galerie Lafayette und Cinemaxx… wir mussten zwischendurch zurück zur Garderobe, um unsere Beute einzulagern.

Lutter&Wegner

Lutter&Wegner lockt mit leckerem Rosè-Sekt. Auch der extra dry ist extrem süffig.

Motiviert von Lutter&Wegner klappte auch das wichtige Networking mit Journalisten vom Tagesspiegel und vom Cicero, einem sehr netten Herrn von der Berliner Volksbank, dem ich Rede und Antwort stehen musste, warum mein Arbeitgeber… während sich die Freundin gerade auf dem Volksbankstand von einem der drei Masseure bearbeiten ließ, besagtem Mitarbeiter von Herrn Gauck und diversen mehr oder weniger sympathischen Politikern, dem Pressesprecher eines möglichen zukünftigen Arbeitgebers sowie gegen Ende noch mit einer Zehlendorfer Rasenhockeymannschaft, die eingeladen war, weil sie gerade die Deutsche Meisterschaft gewonnen hatte, aber frustriert war, weil das nun wirklich niemanden interessierte. Sie griffen entschlossen die letzten Cocktails von Veolia ab und retteten damit immerhin einen kleinen Teil der bestimmt beträchtlichen Steuergelder ihrer Eltern. Da ist es wieder dieses Schichtending – die wissen einfach, worauf es ankommt im Leben – 20 Jahre früher als ich.

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