Nur „The Call“ erhört mein Rufen

An einem strahlend schönen Sonntag fahren wir mit einigen Freunden und Kindern nach Hoppegarten auf die Pferderennbahn. „Eine der schönsten Galopprennbahnen Europas“, wie C. nicht müde wird zu betonen. Von der Warschauer Brücke ist man mit der S-Bahn in gut 30 Minuten im Grünen. Sehr angenehm! Während der S-Bahnfahrt zwingen wir R. schon mal seine aus der Zeitung recherchierten Geheimtipps für die heutigen Rennen zu verraten, während O. versucht uns die Systematik der Wettscheine zu erläutern sowie die Bedeutung der Quoten. Wir starren ihn nur stumm an.

So ein Hut sollte es schon sein für Hoppegarten!

So ein Hut sollte es schon sein für Hoppegarten!

Sehen so Sieger aus?

Sehen so Sieger aus?

Beim ersten Rennen versuche ich es mit einer Zwillingsplatzwette für 1 Euro. So viel hatte ich begriffen, die beiden getippten Pferde müssen unter den ersten drei sein. Se Gray, ein hübscher Grauschimmel unter einem arabischen Jockey, der auch schon an den Kamelrennen in Hoppegarten teilgenommen hat (der Jockey nicht das Pferd!), wie C. zu berichten weiß, und deshalb mein vollstes Vertrauen genießt, erfüllt meine Hoffnungen. Aber nicht das andere Pferd. Egal, ermutigt durch meine offensichtlich vorhandene Intuition setze ich im nächsten Rennen auf Sieg für das Pferd mit den unerklärlichen Blähungen „Mystical Wind“. Es landet immerhin unter den ersten drei. So falsch liege ich gar nicht. Nächstes Rennen: Ich wette auf Sieg für das Pferd mit dem unaussprechlichen Namen und dem Außenseiterstatus „Millyluvstoboug“ – denn die hohen Gewinne macht man nur mit den Außenseitern (also auf die hohen Quoten setzen, wie C. mir nochmals einschärfte). Richtig, M. bleibt Außenseiter. Ich kehre zurück zur aussichtsreicheren Zwillingsplatzwette und gewinne in zwei weiteren Rennen nichts.

"The Call" eine halbe Stunde vor dem Sieg

„The Call“ eine halbe Stunde vor dem Sieg

Eine kurze Besprechung mit den anderen Verlierern beschert uns allen neue Strategien. Während die einen Bioleberkäse im Roggenbrötchen mit süßem Senf essen gehen, genehmige ich mir einen Berlini (wie Bellini nur mit billigem Rotkäppchensekt) und wandere beschwingt zum Führring um ab jetzt die Pferde nicht nach Quoten und tendenziösen Programmheftkommentaren zu bewerten, sondern höchstpersönlich in Augenschein zu nehmen. Mir wird einiges klar! „The Call“ mit der Nummer 7 ist mein Favorit für das 6. Rennen. Allerdings bin ich noch verunsichert von meinen bisherigen Misserfolgen und setze vorsichtshalber auf Platz. Was macht „The Call“? Er gewinnt! Und ich juble bis ich heißer bin. Auch die beiden Jungs haben ihre kostenlosen Kinderwetten gewonnen und gehen glücklich ihre Gummibärchenpreise abholen. Mir beschert „The Call“ bei einem Einsatz von 1 Euro immerhin 90 Cent Gewinn. Davon investiere ich erstmal 30 Cent in Toilettenbenutzung.

Über das 7. Rennen, wo ich auf zwei Favoriten setze, von denen der eine tatsächlich als Letzter durchs Ziel geht, will ich gar nicht reden. Am schlimmsten ist aber das 8. Rennen. Hier setze ich alles auf eine Mitfahrgelegenheit bei den mit dem Auto angereisten Freunden und denke, so schneller in Kreuzberg zu sein. Schwerer Irrtum. Wir kommen weit abgeschlagen erst eine halbe Stunde nach den S-Bahnfahrern an…

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