Meine persönliche Berlin Music Week

Samstag, 8. September

Live Karaoke im SO 36

Live Karaoke im SO36, 23:30 Uhr, Mr. Pink betritt mit seinem Gefolge die Bühne und versemmelt jeden einzelnen Einsatz von Blitzkrieg Bob. An der Band, den Live Karaoke Indie Tops, kann es nicht liegen, die sind wie immer perfekt und spielen den Song, wie man ihn von den Ramones kennt. Insofern applaudiert das Publikum brav und hofft auf den nächsten Sänger. Der freut sich ganz offensichtlich über das Rampenlicht, die große Bühne, die Lightshow und die Profiband, die ihm jetzt für drei Minuten gehört, zieht eine riesen Show ab und bringt seine ganz eigene Version von Seven Nation Army, die Jack White zum Glück nie hören muss. Ab da wird es besser. Mercy rettet den Abend mit ihrer hübschen Stimme und Green Day’s Mr. Brightside. Der Typ neben mir „hat Gänsehaut“, das restliche Publikum freut sich und johlt. Auch Fight for your right to Party von den Beasty Boys und in dem Fall von Sauklaue kommt gut. Der Abend ist gerettet, die Show läuft, das Volk tanzt. Auch die leicht verhauene Version des Passengers von Iggy Pop (Mr Pink!) kann der Stimmung nichts mehr anhaben. Querschläger und Könner wechseln sich ab. Die Band ist immer genial. Und weil die im SO36 zwar Zisch, aber nicht die neue Mate-Variante haben, trinke ich zu viel Cuba Libre und habe jetzt nen dicken Schädel.

Ein kleines Anliegen hätte ich noch: Dear pot-bellied, hairy Brits, please leave your T-Shirts on!!!

Freitag, 7. September

Casa Electro Novo auf der Späti-Tour

Im Rahmen meiner persönlichen Berlin Music Week habe ich Freitag Abend die Familie dazu gezwungen mich zu einem Konzert von Casa Electro Novo auf der Späti-Tour eines Hopfengetränkeherstellers zu begleiten. Der Späti lag an der schwer von erlebnishungrigen jungen und anderen Menschen mit Jutebeuteln und Schnurrbärten frequentierten Kreuzung Schlesische und Falckensteinstraße und hatte voller Umsatzoptimismus seine komplette Ladenfläche mit Getränken vollgestopft – von Bauchnabelhöhe in der Mitte bis Deckenhöhe am Rand. Die Preise lagen auf durschnittlichem Kneipenniveau, trotzdem bekam ich keinen Zitronenschnitz für mein Bier mit C.

Ich hatte mit verkehrskollapsverursachenden Besucherströmen gerechnet. Gekommen waren nur rund 200 von dem durch die Berlin Music Week nochmals potenzierten, üblichen unendlichen Berliner Veranstaltungsangebot sichtlich zerrissenen Zuhörer. Zu unrecht, wie man feststellen muss. Erstens war das Konzert umsonst und zweitens eine wahnsinns Show! Wer öfters zu Konzerten noch und wahrscheinlich auch in Zukunft unbekannter Bands geht, weiß, dass eigene Songs oft eine schlechte Idee sind. Das Songwriting scheint eine eigene Wissenschaft zu sein oder zumindest große Begabung zu erfordern. Die hat Carl aka Casa Electro Novo zweifellos. Seinen Sound würde ich als abgespacte (so redeten wir damals in den 80ern…) und partytaugliche 80er Jahre Elektromusik bezeichnen. Sie kommt bis auf den Gesang komplett aus einem mysteriösen Koffer voller Soundeffekte und wird gelegentlich durch eine hallende und elektronisch verzerrte Gitarre ergänzt, wenn Carl nicht gerade ein paar Räder schlägt oder so.

Tja, Leute, ich bin jetzt Fan und habe mir die CD gekauft!

Donnerstag, 6. September

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Da chillt das Rockerherz – Kuss-Quartett in der Klassik Lounge im Watergate

Donnerstag Abend stand im Rahmen meiner persönlichen Berlin Music Week das Watergate auf dem Programm. Der viertbeste Club der Welt oder so hatte die Berlin Music Week anscheinend total verpennt – oder irgendwas missverstanden, denn sonst hätte er wohl kaum am Donnerstag die Klassic Lounge des Klassikradios ins Programm gehievt.

Tja, Kulturbanause hin oder her, wer wird schon einen Gästelistenplatz verschmähen. Frau W. und ich also dorthin, einen Sitzplatz (Ja, bei solchen Veranstaltungen gibt’s da auch Sitzmöbel, schließlich ist das Publikum schon im rückengeschädigten Alter…) klar gemacht und die Getränkeversorung geklärt. Frau W. einen veranstaltungskonformen Weißwein. Und ich einen Club Mate mit Wodka in der Flasche. Die Barfrau quitierte das mit einem anerkennenden „endlich mal eine normale Bestellung!“, was mir irgendwie ein gutes Gefühl gab. Hey, ich könnte dazugehören zum Stammpublikum des viertbesten Clubs der Welt, wäre ich nicht… naja, lassen wir das.

Sehr anständig, was das Kuss Quartett da zu bieten hatte. Ich entdeckte eine gewisse Zuneigung zum Komponisten Benjamin Britten (Streichquartett Nr. 3, 1. Satz Duo, 2. Satz: Ostinato, für alle, die es genau wissen wollen), der mir bis dahin komplett unbekannt gewesen war. Siehe Banause. Auch die Programmgestaltung war sehr angenehm. Drei Sets à ca. 15 Minuten mit reichlich Pause dazwischen und danach noch einer Zugabe. Da beruhigt sich das Rockerherz und lauscht versonnen den Streicherklängen, während das Auge über die nächtliche Spree, entlang der Oberbaumbrücke, zum hübsch angeleuchteten Universal-Gebäude wandert – nur, um zwischendurch an den wilden rhythmischen Bewegungen der sitzenden Violinisten und vor allem deren Augenbrauen hängenzubleiben. Der steife Stehgeiger ist offensichtlich passé.

Frau W., du nimmst mich doch mal wieder mit?

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4 Antworten zu “Meine persönliche Berlin Music Week

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