Weg vom Fenster oder Die flüchtige Braut

Gespenst oder flüchtende Braut?

Es gibt Menschen, die hängen mit einem Kissen unter ihren Ellbogen aus dem Fenster und kucken Straße statt fern. Täglich. Immer. Vielleicht vermittelt ihnen das das Gefühl mitten drin zu sein oder einfach nur Frischluft, ich weiß es nicht. Ich jedenfalls schaue mit gerunzelter Stirn aus meinem Küchenfenster (ungeöffnet und ohne Kissen) und grüble, was mir das Stilleben gegenüber sagen will. Seit Monaten sagen will! Kürzlich habe ich meinen Sohn gefragt, was er dazu meint. Er sagte mir, dass sei der Mantel von Obi wan Kenobi und dann kam noch eine wirre Geschichte, wie er dort hingekommen ist. Alles Quatsch.

Ich habe zwei Theorien, eigentlich drei. Die erste ist, dass es sich dabei um ein Gespenst handelt, dass entweder noch nicht oder nicht mehr durch Wände gehen kann und deshalb auf offene Fenster und Türen angewiesen ist (Man könnte sich hier eine wundervoll emotionale Geschichte einfallen lassen, wie Gespenster sich diese Fähigkeit aneignen bzw. wodurch sie sie verlieren können.). Dummerweise schlug das Fenster durch den womöglich vom Gespenst verursachten Windhauch zu und jetzt sitzt es fest. Und – der Verdacht liegt nahe – außer mir kann es keiner sehen, weshalb es da nun schon seit Monaten feststeckt (Hier könnte man eine wundervoll emotionale Geschichte schreiben, wie ich zu dieser Fähigkeit kam und ob sie für mein Leben ein Segen oder ein Fluch ist.).

Meine zweite Theorie ist, dass in der Wohnung die Vorbereitungen für eine Hochzeit stattfanden. Die Braut zog sich also ihr Brautkleid an und bekam, wie man das aus Hollywood-Filmen kennt, in letzter Sekunde kalte Füße. Dummerweise war keine wohlmeinende Brautjungfer/Wildfremde/Brautmutter/-vater/Pfarrer zur Hand, die/der ihr versicherte, dass sie das richtige tue und den richtigen heirate und überdies überglücklich würde, wenn sie jetzt nur durch diese Tür und schnurstracks zum Altar schritte. Jedenfalls war ihr der Weg durch die Zimmertür hinaus versperrt durch Brautjungfer/Wildfremde/Brautmutter/-vater/Pfarrer, etc. und so versuchte sie durch das Fenster zu klettern, das ja Altbau-üblich groß genug ist. Dennoch blieb sie hängen, wahrscheinlich am morschen Holzfensterrahmen (Ich kenne mich mit Altbaufenstern aus.)  und da Brautjungfer/Wildfremde/Brautmutter/-vater/Pfarrer, etc. schon ungeduldig an die Tür klopften und hereinzukommen und sie zu dem fast irreversiblen Schritt des Heiratens zwingen drohten, öffnete sie schnell den Reißverschluss/1.375 Haken und Ösen, ließ das teure Brautkleid zurück und floh in der Hochzeitsnachtsunterwäsche über den Balkon in die Freiheit.

Meine dritte Theorie ist, dass es sich dabei um einen Duschvorhang handelt, der von den erfinderischen Bewohnern, die bestimmt mit Apple-Laptops in Kreativbranchen arbeiten, nach dem morgendlichen Duschen zum Trocknen aus dem Fenster gehängt wird. Da Kreative Tag und Nacht arbeiten, holen sie ihn nur kurz zum Duschen rein, was zu Zeiten geschieht, wo normale Menschen (ich) schlafen und es deshalb nie mitkriegen. Oder sie haben das letzte Mal vor Monaten geduscht und dann den Vorhang…. Aber diese Theorie erscheint mir dann doch zu unwahrscheinlich.

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