Von knallgelber Postbotinnenlogik kalt erwischt

„Ich habe bezahlt, also kriege ich!“ So blauäugig…

Schnell noch kucken, ob Post da ist. Eine Abholbenachrichtigung? Ich darf zwei Sendungen bei der Post abholen, obwohl ich die ganze Zeit zuhause war? Ich knirrsche mit den Zähnen, stopfe den unseligen Schein in die Tasche und verlasse das Haus.

Mein Blick fällt auf ein knallgelbes Postrad, das vor dem Nebenhaus steht. Ha! Ich postiere mich zwischen Nebenhauseingang und Postrad und warte. Kurze Zeit später kommt eine Postbotin heraus. Ich begrüße sie mit einem angemessen freundlichen „Hallo“ und frage sie dann sofort – im Ausdruck ernster werdend – ob sie mir wohl diesen Schein in den Briefkasten gesteckt habe. Sie bejaht. Ich frage sie, wieso sie denn nicht bei mir geklingt habe, um mir die Sendungen zu übergeben, wenn sie schon nicht, wie ich vermute, in den Briefkasten passten. Sie meint, sie hätte die Sendungen gar nicht dabei.

Ich verstehe nicht und frage nochmal, warum sie nicht geklingt habe. Sie wiederholt, was sie eben auch gesagt hat, und die Wahrheit dringt langsam in mein ungläubiges Bewusstsein vor. „Sie haben die Sendungen gar nicht dabei, werfen mir aber eine Benachrichtigung ein, dass ich mir die Sendungen abholen kann?“, frage ich entrüstet. Sie nickt zustimmend und erklärt, dass das alles zu meinem Besten sei, weil die Sendungen doch ohnehin nur geklaut würden. „Geklaut? Aus meinem Briefkasten?“, krächze ich. „Nein, aus dem Postkasten meines Fahrrads“, sagt sie und sieht mich beschwörend an, damit ich endlich verstehe. Fassungslos fasse ich zusammen: „Wir kaufen Briefmarken und kleben sie auf Sendungen, bezahlen also dafür, dass Sie etwas zustellen und dürfen es uns am Ende dann doch selbst abholen?“. Die Postbotin wirkt inzwischen etwas verunsichert, gibt aber noch nicht auf und schildert mir in den leuchtendsten Farben die überall lauernden Diebesbanden, deretwegen sie „ständig“ zur Polizei müsse, um Anzeige zu erstatten, wobei sie dann auch noch die Beute detailliert aufzulisten habe. Das sei ja wohl nicht zumutbar!

Ich sehe sie streng an und erkläre, dass ich es für nicht zumutbar halte, meine Briefe und Sendungen zukünftig auf der Filiale abzuholen und dass, „nicht Sie natürlich,“ aber die Post sich da gefälligst etwas einfallen lassen müsse.

Wir einigen uns darauf, dass Sie mir die Sendungen morgen mitbringt. Ich bin gespannt…

Am nächsten Tag: Neiiiiiiiiiinnnnnnn!!!!!

Advertisements

2 Antworten zu “Von knallgelber Postbotinnenlogik kalt erwischt

  1. Also diese überaus gefährlichen Diebesbanden scheinen wirklich bundesweit zu operieren. Ich habe dieses Phänomen auch bei uns feststellen können. Dank deines Beitrages weiß ich nun, dass es ja nur zu meinem Besten ist. Ich muss allerdings gestehen, dass die Postfiliale nur etwas 200 Meter Luftlinie entfernt ist … Aber scheinbar ist das Münchner Gärtnerplatzviertel mittlerweile ein so gefährliches Pflaster, dass wir wirklich geschützt werden müssen …

    • Interessanterweise hat mir die Post nie auf meinen Beschwerdebrief geantwortet. Früher gab’s für Beschwerden noch Gratisbriefmarken. Sauerei!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s