Maximal peripher und keinesfalls nachhaltig resilient

Lasst uns resilient sein wie diese Robinie, die sich einfach in meinem Blumenkasten eingenistet hat und wahrscheinlich als einzige Pflanze den Winter überleben wird.

Ich habe ein neues Wort gelernt: resilient. Es ist das neue „nachhaltig“, so wie „bunt“ das neue „schwarz“ ist. Wer heute noch von Nachhaltigkeit redet und kein Autobauer ist, der outet sich als ahnungsloser Schwätzer. Ebenso outet man sich als in den 80ern schon erwachsen gewesen, wenn man heute noch in schwarz aufkreuzt und nicht auf einer Beerdigung ist. Merke ich jedenfalls immer an den Blicken der  hippen WG unter uns. Warum hat man mir das eigentlich nicht früher gesagt, das mit nachhaltig?!? Egal, resilient bedeutet in aufgeklärten Kreisen „für den Klimawandel und dessen Herausforderungen gewappnet“.

Abgesehen davon, dass ich das Wort „nachhaltig“ in den letzten Wochen inflationär gebraucht habe, sind ich und die meinen (im weiteren Sinne hier verwendet) auch für gar nix gewappnet. Von Klimawandel wollen wir gar nicht reden, wir scheitern schon am Alltag. So hat Santa in den letzten Tagen auf Facebook immer wieder düstere Andeutungen über eine peinliche Begebenheit gemacht, deren Details er einfach nicht herausrücken wollte. Jedenfalls nicht auf Facebook. Man weiß ja, Zuckerberg liest mit und verkauft die Information dann meistbietend. Er ist irgendwie… resilient, auch wenn sie ihm irgendwann nach Oilpeak die Server ausknippsen. Jedenfalls fuhr ich heute von Neugier geplagt kurz mit meinem vermeintlich resilienten Fahrrad (von dem der Rost mich in jedem Fall vor der endgültigen Klimakatastrophe trennen wird) bei Santa vorbei und forderte die Herausgabe der peinlichen Geschichte. So peinlich war sie dann gar nicht. Sie handelte von einem vergessenen Wohnungsschlüssel, wegen dem dann mitten in der Nacht alle möglichen Leute aus allen möglichen Betten geklingelt wurden, damit Santa an seinen Reserveschlüssel kam und doch noch die Nacht in seiner Wohnung verbringen und das Geld für den Schlüsseldienst sparen konnte. Nur um nach all den aufgeweckten Leuten und anderen Mühen festzustellen, dass der Schlüssel genau da war, wo er sein sollte. Santa fühlt sich die letzten Tage also entsprechend alt.

Das endete aber dann ganz plötzlich. Ich verabschiedete mich, schwang mich auf mein Fahrrad und fuhr zum Schlüsseldienst, um für den Mann an meiner Seite endlich einen Wohnungsschlüssel nachmachen zu lassen. Den hattte er nämlich vor Monaten schon verloren und trotz geduldigen Wartens tauchte der nicht wieder freiwillig auf. Der Schlüsseldienst hatte, trotzdem er laut Öffnungszeiten geöffnet haben sollte, geschlossen. Und ich stellte bei der Gelegenheit fest, dass ich meine Tasche bei Santa stehen lassen hatte. Zähneknirschend stieg ich wieder auf’s Rad und fuhr zurück. Ich wollte eigentlich auf dem schnellsten Weg nach Hause, weil es doch schon so dunkel war und ich das Fahrradlicht vergessen hatte.

Santa begrüßte mich schon mit der Tasche in der Hand und fühlte sich sichtlich jünger. Ich fuhr wieder los, diesmal mit Tasche, und wollte auf dem Heimweg noch schnell bei der Reinigung vorbei (die liegt wirklich auf dem Weg) und unsere Klamotten abholen. Freudestrahlend präsentierte ich den Abholzettel. Der Reinigungsmann suchte die Stange mit den gereinigten Klamotten ab und suchte und suchte… starrte auf den Zettel, suchte weiter…. starrte mich irrititert an und meinte schließlich, dass die Klamotten doch erst heute zur Reinigung gegangen seien. Ich erklärte ihm, dass ich sie am Montag gebracht habe und heute abholen sollte, aber dass das nicht so schlimm sei und ich würde einfach nächste Woche wiederkommen, wenn ich es nicht vergesse.

Klimawandel? Keine Ahnung, wo ich den jetzt liegen gelassen habe…

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