Die lange SZ-Nacht der Frauenquote

SZ Nacht: Brandschutz funktioniert

SZ Nacht, immer wieder ein müder Lacher: Brandschutz funktioniert

Das Leben als it-Girl ist ganz schön anstrengend. Montag den ganzen Tag darüber grübeln, was ich abends zur SZ Nacht anziehe und dann muss ich dort tatsächlich auch noch hingehen. Als +1 (die SZ scheint die Bedeutung von it-Girls zu unterschätzen) sehe ich es als meine Aufgabe, gut auszusehen, positive Vibes zu verbreiten, Buffet und Bar zu plündern, von den Goodies zu profitieren – und notfalls auflockernd in die Unterhaltung einzugreifen. Schließlich verfolgt das Carreer-Girl, das ich begleite, ehrgeizige Ziele – unter anderem die Einführung der Frauenquote.

Im schwäbisch-gediegenen Veranstaltungsort (die SZ gehört inzwischen mehrheitlich der Südwestdeutschen Medienholding), der Telekom Repräsentanz, wimmelt es von Look-a-likes. Der erste, über den ich stolpere, sieht aus wie ein früherer IT-Kollege, entpuppt sich aber dann als Martin Delius von den Piraten. Er grinst über die Verwechslung und ist bestimmt erleichtert, dass ich ihm sonst keine bösen Fragen zur a) Wählbarkeit der Piratenpartei b) den ewigen Personaldebatten c) dem Mangel an Piratinnen  oder d) dem geringen Erfolg des Flufhafenausschusses im Senat stelle.

Der Begleiter an Dirk Behrendts Seite bemüht sich nicht im geringsten wie Daniel Wesener auszusehen. „Getrennt…“, flüstert das allwissende Carreer-Girl. Man redet über Altterroristen, die heute in Ökokommunen im Brandenburgischen leben und darüber, dass jetzt kein enttäuschter Ex-Landeschef mehr über die mafiösen Strukturen bei den Grünen „die werden von einer Familie gelenkt“ lästern kann. Ein Angela Merkel Look-a-like suche ich im Laufe des Abends vergebens – und das, obwohl sie zugesagt hatte. Die Niedersachsen-Wahl hat wohl Prio.

Apropos Prio, ich steuere die Champagner-Bar (sponsored by Adlon…) an und ordere. Der Mann, der gerade mit zwei Gläsern verschwindet, kommt mir bekannt vor. Jürgen Vogel? Der Barkeeper bezweifelt es. Als der nimmersatte Look-a-like wieder kommt, wird es deutlich, ganz schlechte Maske…

Ein paar Champagner später mische ich mich dann in die ungleiche Frauenquotendiskussion ein (1 Carreer-Girl vs. 5 Männer in Führungspositionen) und schlage Mäzene vor. Ich ernte halb ratlose, halb mitleidige Blicke. Hey, ich bin it-Girl und darf das, damitdasklaaas! Natürlich habe ich „Mentoren“ gemeint. „Und die Frauen, die von den Mentoren gefördert werden…“, umschreibe ich mit schwerer Zunge…  „die Mentees“, ergänzt der gleiche Besserwisser, der genau vier Gläser Champagner hinter mir liegt. Verdammt! Aber ich habe meinen Punkt deutlich gemacht und die Idee vom Mäzenaten… äh Mentorensystem für Frauen, das gleichzeitig den Wettbewerb unter den Männern anstachelt (Wer hat die längste… äh… erfolgreichste Mentee) zur Überwindung der gläsernen Decke (Habe ich „Wand“ gesagt? Mist, ich glaube, ich habe „Wand“ gesagt…) für immer in den Führungsgehirnen implantiert. Mal sehen, ob Angela in Niedersachsen auch so erfolgreich war!

Wir lassen den Abend ruhig bei diversen Senatorensprechern (sehr sympathisch, die beiden von Sandra Scheeres und es gibt noch eine dritte, aber die hat keine Einladung gekriegt…) und ein paar Anekdoten aus dem Politikbetrieb ausklingen. Was bleibt uns auch übrig, die Schwaben haben den Zapfhahn kurz nach Mitternacht abgestellt und auch die Schampus-Bar scheint leer getrunken zu sein. Auf dem Weg zur Garderobe fällt das Carreer-Girl noch einem leitenden Zeit-Redakteur um den Hals. Der berichtet fröhlich von seinem gut bezahlten, angenehmen Job, bei dem er „alles kann, aber nichts muss“. Er verpasst leider die Chance, dem Carreer-Girl einen ähnlich klingenden Job anzubieten.

Am nächsten Morgen stehe ich wie üblich um halb sieben auf und mache todmüde und auf Autopilot Frühstück für den it-Sohn. Wenn mein Gehirn aufwacht, hat es hoffentlich gleich brauchbare Vorschläge für das heutige Abend-Outfit…

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