Die Carrie Bradshaw von X-Berg braucht eine Parkscheibe

Auf diesem Bus wird bald mein Bild prangen...

Auf diesem Bus wird bald mein Bild prangen…

Neulich habe ich mich mit einem Freund getroffen. Wir saßen mit Notebook und iPad in unserem bevorzugten Arbeitscafé. Die Unterhaltung changierte dynamisch zwischen gemeinsamen Geschäftsinteressen und allen möglichen privaten Themen. Da sagte O. den folgenschweren Satz: „Wozu ausgehen, ich habe doch eine Freundin!“.  Hätte er keine, würde er sich wieder auf die Piste wagen, aber so sähe er keine Notwendigkeit, meinte er. Ich fühlte mich spontan in eine Episode von Sex and the City versetzt und begann in meiner Rolle als Carrie Bradshaw zu tippen:

Bedeutet ein fester Partner konsequent den partnerschaftslangen Rückzug in die traute Zweisamkeit und stellen die mit Amüsierwilligen gefüllten Bars und Clubs dementsprechend nur eine gute Plattform für die Partnersuche mehr oder weniger verzweifelter Singels? Gilt man automatisch als paarungswillig, wenn man ausgeht und ist deshalb Freiwild? Und viel schlimmer, was sagt das über den Paarungskompatibilitätsfaktor, vulgo: Marktwert, aus, wenn man unangesprochen bleibt? Und wie, um Himmelswillen, versteht ein auf paarungswillige Ausgehaspiranten gepolter zukünftiger Ex-Single eine Absage an seine Ansage?

Ein wenig erinnert mich dieses theoretische Fragenkonstrukt, das dann thematisch in einer 30-Minuten Folge Sex and the City abgearbeitet wird, an ein Gespräch neulich mit dem MamS (Mann an meiner Seite), bei dem wir auf dem nächtlichen Balkon stehend, liebevoll unser Auto betrachteten:
Ich: Ich habe neulich die Parkscheibe gesucht, aber sie ist weg.

Er (grinst): Keine Ahnung, wo du sie wieder hingeräumt hast.

Ich (mit leisem Vorwurf): Du hast doch immer das Auto. Ich habe einfach einen Zettel geschrieben mit meiner Ankunftszeit und ihn auf das Armarturenbrett gelegt.

Er (kennt sich aus): Das gilt aber nicht. Ich habe erst kürzlich einen Bericht im Fernsehen gesehen, da hat eine Politesse…

Ich (asoziiere): Wir sagten früher immer Hostess…

Er (matter of fact): Das wollen die aber bestimmt nicht hören.

Ich (ernsthaft interessiert): Ja, wie heißen die denn?

Er (achselzuckend): Ordnungsamtbeamtin.

Ich (inspiriert): Oder Parkraumbewirtschaftungsvollstreckungsbeamtin? Die sind aber gar nicht verbeamtet.

Er (friert, hat aufgeraucht und  genug von dem Thema): Also dann eben Parkraumbewirtschaftungsvollstreckungsangestellte im öffentlichen Dienst – und wahrscheinlich gerade im Streik.

Fazit: Lieber ne Pulle Bier als ne Pullitess (Werner)

Die Folge Sex and the City geht dann so weiter: Carrie trifft sich mit ihren Freundinnen in hippen Vintage Klamotten auf einem coolen New Yorker Flohmarkt. Sie diskutieren ihre recht unterschiedlichen Ansichten zum Thema Ausgehen in der Partnerschaft. Danach geht Carrie nach Hause und schreibt ihre Kolumne weiter. Plötzlich klingelt das Telefon, Big ist dran. Er will wissen, ob Carrie heute Abend zu ihm kommt. Carrie will ihn testen und schlägt vor, in eine wahnsinnig angesagte, neue Bar zu gehen und danach in diesen Club, den die ehemalige Nightlife-Redakteurin der Vogue letzte Woche eröffnet hat. Big ist einverstanden. Carrie hakt nochmals nach, ob ihm das auch wirklich Recht sei und ob er nicht lieber zuhause vor dem Kamin bliebe mit ihr. Aber Big findet die Idee großartig und freut sich darauf unter Menschen zu kommen. Carrie legt verzweifelt auf. Sieht Big ihn ihr doch nur einen austauschbaren Zeitvertreib und nicht die feste Freundin Heiratsqualitäten? Sie ruft Miranda an. Die ruft Charlotte und Samantha an. Kurz darauf versammeln sich alle zur Krisensitzung in Carries Wohnung. Sie beschließen, dass Carrie heute Abend so gut aussehen muss wie in noch keiner Folge zuvor. Ordentlich aufgebrezelt im Negligee- wahlweise Nude-Look betritt Carrie die Bar, in der sie sich mit Big verabredet hat. Big ist schon da und ins Gespräch vertieft mit einer hinreissenden Brünetten. Carrie lässt die Hand sinken, mit der sie Big zuwinken wollte, macht auf dem hohen Absatz kehrt und flieht aus der Bar. Big sieht sie gerade noch verschwinden und läuft ihr hinterher. Sie steigt aber bereits in ein Taxi und fährt los. Die Tränen verschleiern ihren Blick, so dass sie Big gar nicht sehen kann, der dem Taxi noch ein paar Meter hinterherrennt…

– Ende –
(Alle Drehbuchrechte liegen bei Sib2010)

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5 Antworten zu “Die Carrie Bradshaw von X-Berg braucht eine Parkscheibe

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