Wassergebühren zurücktrinken – das Hoffest 2013

Hoffest 2013 - Keiner traute sich ein Stück von der Torte zu verlangen.

Hoffest 2013 – Keiner traute sich ein Stück von der Torte zu verlangen.

Ein riesen Lärm herrscht vor dem roten Rathaus. Renate Künast singt Protestlieder gegen den Flughafen BerlinBrandenburg!

Oder auch nicht. Das klänge zwar wie Frau Künast, sei aber Mona Lise von der fast gleichnamigen, ehemaligen DDR Band, klärt mich eine Flughafen-anwohnende Flugblattverteilerin auf. Schade eigentlich… Ich nehme das Anti-BER Flugblatt, auch das von den unterbezahlten Künstlern (auch PR-Berater sind mitunter unterbezahlt!!!) und das vom BüSo, das griechische Verhältnisse für ganz Europa androht und dann auch noch den Verlust meines Sparguthabens UND meines Lebens prognostiziert. Da ist mir dann das Sparguthaben auch egal.

Darauf muss ich erstmal etwas trinken. Freundin C. ist auch schon da und wir schreiten über den roten Teppich auf’s Hoffest im Roten Rathaus. Ein Eistee mit Rum und dazu Klaus Wowereit die Hand schütteln. Abgesehen von all den Katastrophen mit Großprojekten, die der Mann in letzter Zeit wegstecken musste und in Zukunft noch wegstecken müssen wird – ich sage nur Zentrale Landesbibliothek auf dem Tempelhofer Feld, nach Bevölkerungsschwund findet nicht mal der kreative Finanzsenator Nussbaum noch Einsparpotenzial, geschweige denn Geld für Ausgaben – eins muss man Wowereit lassen, er hat Geschmack! Jedenfalls bin ich ganz verwirrt von den gutaussehenden Bodyguards links und rechts hinter ihm, die mich beim Handshake mit ihrem Boss intensiv mustern.

Hoffest 2013 - Lufthansa mit Mehdorn für Weiterbetrieb TXL?

Hoffest 2013 – Lufthansa mit Mehdorn für Weiterbetrieb TXL?

Darauf erstmal ein paar Häppchen und einen Jutebeutel von Lufthansa, auf dem tendenziöserweise „I love TXL“ steht. Wenn das die Tegeler und Weddinger wüssten… Darauf erstmal eine neue Frisur. Wer war doch gleich der freundliche Sponsor? Egal, zwei Maskenbildnerinnen bieten eine Komplettrenovierung an. Ich entscheide mich für eine Hochsteckfrisur, die Freundin dafür, das Weite zu suchen. Meine Hochsteckfrisur gefällt mir genau 30 Minuten. Auf der Rathaustoilette (hübsch mit Rosenblättern und Duftstäbchen dekoriert) zupfe ich mir die ca. 30 Nadeln aus der Kopfhaut. Autsch!
Per WhatsApp kommt der Auftrag Wowis Rede mitzuschreiben. Hat jemand Papier? Nein? Dann eben die MemoApp. Schnell noch ein Stück Lachs mit Sounsosoße auf Kaviarlinsen vom KaDeWe und dann geht es auch schon los. Unser aller Bürgermeister gesteht freundlicherweise den Protestlern auf der anderen Seite des Zauns ihren Zorn zu, erklärt aber auch als Politiker gesamtgesellschaftliche Entscheidungen treffen zu müssen. Nichtsdestotrotz müsse man natürlich die Diskussion er- und austragen oder so ähnlich… ich kann auf dem Smartphone nicht so schnell tippen. Über 90 Sponsoren seien da, leitet der Regierende über, eine tolle Vielfalt gerade im kulinarischen Bereich, die auch die Vielfalt Berlins wiederspiegle.

Hoffest 2013 - Die längste Schlange ist immer vor dem Curry 36...

Hoffest 2013 – Die längste Schlange ist immer vor dem Curry 36…

Persönlich bin ich bereit noch einigen der 90 Sponsoren eine Chance zu geben.

Vom durch die Volkszählung entdeckten Bevölkerungsschwund sollen wir uns nicht entmutigen lassen, die Bevölkerungsprognosen seien ja sehr positiv und das Wetter ist dieses Jahr auch erstmals seit langem schön. Hat er das wirklich in einem Satz gesagt? Ich bin mir nicht ganz sicher, lasse mich aber nicht entmutigen und stelle mich bei der trotz Bevölkerungsschwund immer noch ziemlich langen Schlange vor Butter Lindner an. Sehr leckere Spießchen!

Der Rathauskeller würde dieses Jahr vom White Trash Fast Food und Katja Lucker, der Musikbeauftragten Berlins, bespielt. Wenn also um Mitternacht die Stände draußen schließen, dann sollen wir nicht heimgehen, sondern dort weiterfeiern, gibt Wowereit uns noch mit auf den Weg.

Darauf erstmal einen Cocktail von Veolia und den Berliner Wasserbetrieben, natürlich mit echtem Berliner Leitungswasser. Die haben die Wasserkosten die letzten Jahre dermaßen in die Höhe gejagt, dass ich noch einige Cocktails trinken muss, bis ich das wieder drin habe. Ich bemühe mich! Doch zuvor schaue ich mir erstmal die anderen Stände an. Die Spielbank Berlin ist wieder mit einem riesigen Glücksrad vertreten, auf dem Poliltikerkonterfeis prangen. Ich bekomme Sandra Scheeres und einen hochwertigen Kugelschreiber. Bei der Berliner Bank muss ich schwierige Fragen zum Immobilienmarkt, Immobilienkrediten und Finanzanlagen im Wettbewerb gegen eine Bankmitarbeiterin beantworten. Volle Punktzahl: eine LED Taschenlampe.

Hoffest 2013 - Sven Felski, ehemalige Eisbärenlegende und verstrahlter Groupie

Hoffest 2013 – Sven Felski, ehemalige Eisbärenlegende und verstrahlter Groupie

Die Eisbären sollen da sein, erwähnte Wowereit. Dann wollen wir mal kucken, schließlich bin ich Gelegenheitsfan. Beim Sponsor, der GASAG, am Stand stehen ein paar junge, sportliche Herren mit GASAG Logo am Hemdkragen. Ich erkenne die Eisbären ja nur, wenn sie Helm, Schlittschuhe und ein Trikot mit ihrem Vereinsnamen anhaben. Ich nähere mich vorsichtig und werde gleich von zwei freundlichen GASAG Herren (etwas älter, aber nicht unsportlich) abgefangen, darf am Glücksrad drehen, gewinne einen Plüscheisbären und ein Abendessen mit einem der Herren, außerdem darf ich mich fotografieren lassen, wahlweise mit dem Maskottchen oder dem Pokal oder… ich nehme Sven Felski!

Danach noch einen Veolia-Cocktail. Siehe Wasserkosten. Und dann noch ein paar leckere Kleinigkeiten bei einem Konditor, dessen Namen ich vergessen habe. Die Spielbank habe auch einen Roulettetisch, verrät mir mein neuer GASAG-Freund. Die sprengen wir jetzt! Die machen das ziemlich geschickt. Zuerst gewinnen wir (mit den Gratisjetons), aber dann reißt die Glückssträhne und wir können uns nur noch einen Trostpreis aussuchen. Ich nehme den Spielbanksoundtrack (siehe Fahrstuhlmusik) und mein neuer Freund das Davidoff-Duschgel mit den hochwertigen Pokerkarten. Darauf noch einen Veolia-Cocktail (so groß sind die nicht…)

Hoffest 2013  - Sushi Rolls aus Brotteig, sehr lecker aber scharf!

Hoffest 2013 – Sushi Rolls aus Brotteig, sehr lecker aber scharf!

Argh, Thilo Sarazzin. Wer hat den eingeladen? Und Martin Delius von den Piraten. Sehr ordentlich gekleidet heute und in Begleitung einer äußerst attraktiven Blonden. Seine Stilberaterin? Die Club Comission ist auch vertreten. Ich erinnere mich an’s White Trash und betrete den Rathauskeller, um den sich Gerüchte von feiernden Bürgermeistern und Matrosen ranken. Keine Details! Dort ist noch nicht so viel los, aber das White Trash wartet tatsächlich mit Austern (!?!) auf. Zum Glück gibt es auch sehr leckere Sushi-Rolls, ohne Reis dafür mit Brotteig, von einem sehr sympathischen Kanadier, der seinen Laden irgendwo in der Castingallee hat. Die mit Dogfish sind hammerscharf! Ich spucke Feuer, der Kanadier lacht und meint, das seien erst 2 von 10 auf der Schärfeskala.

Weiter hinten kann man sich tatsächlich tätowieren lassen. Tätowieren – auf dem Hoffest?!? Warum renne ich hier eigentlich im Kostümchen herum… Der freundliche Tätowierer Marke „ich bin mein bester Kunde“ berät mich ausgiebig zu schmerzmindernden und dabei legalen Mitteln und erklärt sich bereit mir das Händchen zu halten. Die eigentliche Tätowiererin ist nämlich die gerade volljährig gewordene Blonde neben ihm. Ich überlege es mir noch… Inzwischen hat sich der Laden gefüllt mir allerlei Partypeople, wie man sie eher in Szeneclubs trifft. Wo waren die vorher alle oder wurden die engagiert? Dazwischen der vereinzelte Staatssekretär im Anzug und ein paar Grünenpolitiker, die maximal ein Hemd zur Jeans tragen. Wer ist das eigentlich, den kenne ich doch! Vielleicht erkennt er mich. Nein. Kein Wunder, Sascha Hingst von der Abendschau. Typischer Fall von One-way-Kommunikation.

Nach einer trashigen Burlesqueshow, die mit viel Kunstblut endet (Hoffest?!?) und einem schwer zu ertragenden Transenkonzert (nicht jede kann singen) dürfen wir endlich tanzen. Das White Trash serviert All Time Favourites (Hoffest!) und ich sehe versonnen tanzend dabei zu, wie Dirk Behrendt, Daniel Wesener und Mutlu (der hat keinen Vornamen, wirklich!) harmonisch miteinander tanzen. War da nicht was: Trennung, Mobbing, Kluft? Darauf erstmal einen… Veolia hat sich meinem Zugriff feige entzogen, aber Our/Berlin serviert noch leckere Wodka-Shots.

Als ich auf’s Fahrrad klettere, merke ich, dass ich das Licht vergessen habe. Ein Hoch auf die Berliner Bank Taschenlampe!

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