Verwirrt in Westberlin

Ai Weiwei verkauft jetzt türkische Spezialitäten in Kreuzberg

Voll geheimer Geheimtipp: Ai Weiwei verkauft jetzt türkische Spezialitäten in Kreuzberg

Ich habe ein paar Termine im westlichen Teil der Stadt. Ich muss also Kreuzberg verlassen, was ja immer schmerzlich ist und auch einen Hauch von Abenteuer birgt (ich muss selber lachen). Gründliche Vorberereitung ist alles. Auf der BVG-Seite drucke ich mir den Plan mit den Verbindungen aus.

Gefühlte acht Mal werde ich umsteigen müssen, um all meine Ziele zu erreichen. Da ich woanders losfahre, als ich ankomme, weiß ich auch nicht, wo ich das Fahrrad abstellen soll. Ich einige mich auf Hallesches Tor. Außer dass der Himmel mit Regen droht, ist alle gut. Freundlicherweise haben sie mir einen Fahrradparkplatz vor dem Ramschmöbelhaus am Halleschen Tor freigehalten. Die U1 kommt und ich springe rein. Am Wittenbergplatz muss ich umsteigen, die Zeit nutze ich, um meine emails zu lesen. Kurfürsten… was schon? Ich springe hektisch raus, eine Station zu weit! Ich wechsle den Bahnsteig und steige in den gerade einfahrenden Zug Richtung Kreuzberg. Beste Aussicht auf den neuen Park Gleisdreieck. Gleisdreieck? Dann war das Kurfürstenstraße und nicht Kurfürstendamm! Ich hätte noch zwei Stationen weiter fahren müssen…
Zum Glück kann man auch am Gleisdreieck einfach den Bahnsteig wechseln, ohnen treppauf und treppab laufen zu müssen wie beispielsweise Prinzenstraße. So, jetzt ist die Zeit aber schon ordentlich knapp! Ich steige wieder in die U1 Richtung Uhlandstraße und am Wittenbergplatz aus. Da kommt auch schon die U2… Richtung Ruhleben?!? Auf meinem Plan steht Richtung Theordor-Heuss-Platz, oh Verzweiflung. Ich frage schnell jemanden, der mir bestätigt, ja, ich bin hier richtig zum Bahnhof Zoo.

Bahnhof Zoo schon mal geschafft. Ich speedwalke los Richtung Fasanenstraße zur IHK. Rauf in den 4. Stock. Ob ich schon bezahlt hätte, fragt mich die freundliche Frau R. und schickt mich postwendend wieder in den 1. Stock. Bezahlen. 4. Stock. Unterlagen abholen. Erdgeschoss und raus. Weiter Richtung Steinplatz. Jetzt darf es aber ein Kaffee sein. Hochschule der Künste. Ich habe die Uni-Mensa der HU in bester Erinnerung. Rohrzucker und laktosefreie Milch gehören zum Standardangebot. Das kann doch auch die HDK, oder? Leider bremst mich das Schild „Nur bargeldlos bezahlen mit der MensaCard“ aus. Doof. Aber gegenüber ist die Filiale einer Bäckereikette, die kürzlich einen Imagerelaunch erfahren hat und seitdem keinen abgestandenen Filterkaffee mehr, sondern zeitgemäße Kaffeespezialitäten anbietet. In dem Fall werde ich von – so steht es schon außen an der Filiale – den Azubis der Kette bedient. Mein zuständiger Azubi fragt mich, ob er den Zucker (leider nur Rübenzucker) gleich einfüllen solle. Nein, antworte ich ihm und den Kaffee trinke ich auch selbst. Mit einem Lächeln natürlich, dann darf man auch sowas sagen!

Flink über die Straße zur Bushaltestelle vom M45. Da kommt er auch schon. Drinnen stelle ich leider fest, dass es der 245 ist und nicht der M45. Mist, verdammter! Der zu Tode gelangweilte Busfahrer bestätigt mir mit einem wortlosen Nicken, dass die nächste Haltestelle auch vom M45 angefahren wird. Ich steige aus und gleich wieder in den richtigen Bus ein. Ab zum Richard-Wagner-Platz und dort in die U7. Mierendorffplatz. Mein letzter Sporttermin da. Sport? Sch…. ich habe kein Sportzeug dabei. Das gibt’s doch nicht! EMS müsste doch auch in der Jeans gehen, die hat 5 % Elasthan… Nein, geht nicht, teilt man mir bedauernd mit. Man könne es nicht verantworten, mich mit nasser Hose auf die Straße zu schicken. Aber ein anderes Gerät ginge. Gut, nehme ich. Nach 30 Minuten Hypoxi ist die Jeans zwei Nummern größer, aber trocken und ich mache mich zufrieden auf den Heimweg. Endlich ungestört gefühlte 20 Stationen lang Zeitunglesen.

Die U-Bahn naht, ich will noch schnell den Werbekram wegwerfen, der der Zeitung beiliegt und werfe aus Versehen den noch kaum angelesenen Berlinteil in den Müll. Jetzt ist das zwar ein eigener Papiermülleimer (!), aber mit festem Deckelabstand, so dass man keinesfalls seine alte Waschmaschine oder ähnliches darin entsorgen kann. Ich angle verwzeifelt nach meiner Zeitung und erwische erstmal eine von Springer. Die sind einfach größer. Leise fluchend wühle ich weiter. Im letzten Moment kommt mir die taz in die Finger. Die Umstehenden werfen mir mitleidige Blicke zu. Verdeckte Armut, ich sehe gar nicht aus wie eine Flaschensammlerin.

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2 Antworten zu “Verwirrt in Westberlin

    • Also Mierendorffplatz ist mir jetzt echt zu weit mit dem Rad…
      Nix aussterben! Ich eröffne einen Gnadenhof für gedruckte Zeitungen, lasse sie einfrieren und schieße sie ins All, bis ein Weg gefunden wurde, um ihr Überleben zu sichern! 😉

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