Wenn der Vermieteranwalt zweimal klingelt

Zentrum für Flucht, Vertreibung und Versöhnung

… wir kriegen dann als Exmieter wenigstens ein Museum

Nachdem wir letztes Jahr eine ordentliche MIeterhöhung für die sinnlose Modernisierung unserer Hausfassade bekommen haben, hat uns unser Vermieter, anlässlich des neuen MIetspiegels 2013, gleich wieder eine Mieterhöhung geschickt. Natürlich lagen wir mit der modernisierungsbedingten MIeterhöhung des Vorjahres längst über dem Mietspiegel. So lehnten wir das freundliche Erhöhungsgesuch mit dürren Worten ab. Daraufhin meldete sich der Vermieteranwalt ganz kumpelhaft per email zu Wort und wollte einen Termin zur Besichtigung unserer Wohnung vereinbaren, um sich selbst davon zu überzeugen, dass da nicht irgenwelche wohnwerterhöhenden Merkmale übersehen wurden (außer natürlich der modernisierten Fassade). Da wir den Anwalt schon von der gerichtlichen Auseinandersetzung des letzten Jahres kannten und nicht auf jede Spam-Mail reagieren, hüllten wir uns erstmal in verstocktes Schweigen. Das hielt der Anwalt nur ca. vier Wochen lang aus, dann kam die email mit der Klageandrohung.

Die konsultierte Mietergemeinschaft riet nach der obligatorischen zweistündigen Wartezeit („Mit Terminvergabe würde es noch länger dauern.“ WTF?!?) dazu, den Anwalt einzuladen und ihn deutlichst auf die wohnwertmindernden Merkmale hinzuweisen. Na gut…
Wir teilten ihm also einen Termin zu, ließen uns nochmals bestätigen, dass der auch nicht länger als zehn Minuten dauert und reichten ihm am Tag X sogar die Grußhand. Wir sind ja erstmal zu jedem nett.

Am gleichen Nachmittag kam dann eine email mit der Neuberechnung unserer Mieterhöhung. Die sollte immer noch 40 € betragen, obwohl der Vermieteranwalt das mit den wohnwerterhöhenden und wohnwertmindernden Merkmalen genauso gesehen hatte, wie wir.

Der Unterschied war, dass er die Erhöhung durch Modernisierung (rund 60 €) herausgerechnet und dann die verbleibende Nettokaltmiete dem Mietspiegel gegenüber gestellt hatte. Somit war noch Platz für eine Mieterhöhung von 40 €. Auf die erhöhte MIete hatte er dann am Ende wieder die 60 € von der Modernisierung draufgeschlagen. Drei Tage hatten wir Zeit der Erhöhung zuzustimmen, dann wollte er Klage einreichen, um seine Fristen einhalten zu können.

Ich machte mich also umständehalber wieder auf den Weg zur Mietergemeinschaft. Diesmal zum Beratungstermin in der Bergmannstraße.
Jetzt wird es grausam… 30 Minuten vor Beratungsterminbeginn kam ich an und konnte mich als Elfte (sic!) in die Warteschlange einreihen. Eigentlich war ich nur die Platzhalterin, den Termin sollte diesmal der MamS (Mann an meiner Seite) wahrnehmen. Aus Gerechtigkeitsgründen. Warum soll nur ich immer mein junges Leben bei der Mietergemeinschaft verschwenden? Der MamS hatte aber noch einen Termin. Damit er überhaupt noch drankommt, wollte ich ihn schon mal auf die Anmeldeliste setzen. Nachdem dann zehn Minuten nach Beratungsterminbeginn auch schon der Mietergemeinschaftsanwalt mit dem Schlüssel eintrudelte, musste ich feststellen, dass es dort keine Anmeldeliste gibt. Man muss also tatsächlich Schlange stehen, bis man dran ist! Zwei Anwälte, zehn Wartende, das macht wieder mindestens zwei Stunden, bis ich bzw. der MamS dran bin/ist. Und er kann sich nicht mal zwischendurch etwas zu essen holen oder nur, wenn er das langwierig mit denen vor und hinter ihm in der Schlange klärt.

Gut, das soll diesmal nicht mein Problem sein. Der MamS kam dann auch ein paar Stunden später mit Ringen unter den Augen wieder und berichtete, dass die Berechnung des Vermieteranwalts falsch sei. Natürlich dürfe er nicht den sanierungsbedingten Mietaufschlag aus der Miete herausrechnen, dann zur Mietspiegelobergrenze erhöhen und am Ende den Aufschlag wieder draufhauen, so die Mietergemeinschaft.

Wir fühlten uns bestätigt und schrieben dem Vermieteranwalt eine gerade noch freundliche email, mit der wir seine Rechnung ablehnten. Keine zwei Stunden später kam seine Antwort. Er reiche jetzt Klage ein, weil: „… wie Sie dem Gesetzestext in § 558 Abs. 3 Satz 1 BGB entnehmen können. Danach werden Mieterhöhungen nach § 559 BGB (Mieterhöhung wegen Modernisierung) innerhalb von 3 Jahren nicht berücksichtigt.“

Darüber werden wir wohl nochmal mit der Mietergemeinschaft reden müssen, wenn wir mal wieder zwei bis drei Stunden Zeit haben und uns fühlen wollen wie die Bettler vor der Suppenküche…

Inzwischen haben wir noch einen Tipp für alle, denen der Vermieteranwalt womöglich auch einen Hausbesuch abstatten will. Es gibt da in Sachen wohnwerterhöhende Merkmale ganz tolle Heimwerkervideos im Internet…

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3 Antworten zu “Wenn der Vermieteranwalt zweimal klingelt

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